Telefon : +49 4154 79 45 907 , Bürozeiten : Mo.- Fr. 10:00 bis 16:00 Email : info@koi-kontor.de

Bakterielle Erkrankungen

Bakterien sind einzellige Organismen, die auf unterschiedliche Weise Erkrankungen bei Fischen hervorrufen können. Es gibt Bakterien, welche sich direkt vom Gewebe der Fische ernähren (z.B. Flexibacter columnaris oder die Fischtuberkulose), oder Bakterien die am Fisch siedeln und ihn durch Ausscheidung von schädlichen Substanzen krank machen.

Bakterien sind vom Laien nur sehr schwer zu erkennen, auch im Mikroskop. Hierfür sind spezielle Färbemethoden von Nöten.

Das Aussehen von Bakterien ist sehr unterschiedlich. Es gibt punktförmige, längliche, spiralförmige und auch Sanduhrformen können beobachtet werden.

Grob können die in der Koihaltung wichtigen Bakterien in 2 Gruppen eingeteilt werden:

Man unterscheidet zwischen obligat pathogenen (zwingend krankmachenden) und fakultativ pathogenen (bedingt krankmachenden) Bakterien.

Erstere sind, wenn Sie im Teich auftauchen, immer von großer Bedeutung, da sie, wenn in ausreichender Zahl vorhanden sind, den Fisch immer krank machen. Hierfür sind keine anderen Umstände Vorraussetzung. Manche dieser Keime können auch für Menschen gefährlich werden (Fischtuberkulose!).
 

Letztere sind eigentlich immer im Teich zu finden und leben am Fisch (vor allem auf der Schleimhaut) ohne ihm Schaden zu können. Im Gegenteil haben manche (z.B. bestimmte Aeromonaden), ähnlich wie auf der menschlichen Haut, sogar einen positiven Effekt auf die Gesundheit des Fisches indem sie die Ansiedlung von obligat pathogenen Bakterien verhindern.

Unter bestimmten Umständen können diese Bakterien aber zum Problem werden. Wenn sie z.B. in von Parasiten verursachte Wunden gelangen kommt es zu einer explosionsartigen Vermehrung und es entstehen starke Hautentzündungen, welche zu Geschwürbildung führen.

Eine weitere nicht unbedeutende Bakteriengruppe sind die Saprophyten. Dies sind durchweg nützliche Bakterien. Zu ihnen zählen z.B. die Filterbakterien oder auch bestimmte Darmbakterien, die dem Fisch bei der Verdauung der Nahrung helfen.

Diese Bakterien können auch in der Behandlung von Fischen eingesetzt werden.

Werden z.B. Milchsäurebakterien über das Futter gegeben, lässt sich ein positiver Effekt auf das Immunsystem des Fisches erkennen. Dies liegt daran, dass bei Fischen wahrscheinlich das wichtigste Organ des Immunsystems der Darm ist. Hier findet man große Ansammlungen an lymphatischem Gewebe ähnlich der Lymphknoten des Menschen. (mündl. Mitteilung Prof. Steinhagen, TiHo Hannover). Die Milchsäurebakterien stimulieren wahrscheinlich die Immunabwehr des Fisches, so dass dieser besser aus eigener Kraft gegen Krankheiten kämpfen kann. Ins Wasser gegeben siedeln diese Bakterien auf der Schleimhaut des Fisches und verdrängen schädliche Bakterien. Hierdurch kommt es oft zu einer Beschleunigung der Wundheilung.

Erkrankt ein Fisch an einer bakteriellen Infektion ist oft die einzige mögliche Therapie der Einsatz von Antibiotika.

Antibiotika sind Stoffe, die entweder den Stoffwechsel oder die Struktur der Bakterien zerstören.

Richtig eingesetzt sind sie eine effektive Waffe im Kampf gegen Infektionen.

Aber eben nur dann.

Bakterien haben die Eigenschaft sich sehr schnell zu vermehren, im Allgemeinen dauert ein Generationenwechsel zwischen 8-24h. Bedingt durch diese schnelle Vermehrung und ihren relativ einfachen Aufbau kommt es regelmäßig zu Mutationen, welche die Bakterien verändern. Wird nun während einer solchen Mutation die Zellwand oder der Stoffwechsel der Bakterien verändert werden Antibiotika wirkungslos. Das Bakterium ist resistent geworden!

Antibiotikaresistenzen sind ein immer größer werdendes Problem in der Fischhaltung.  

Durch die massenhafte und meist falsche Anwendung können sich Resistenzen sehr schnell entwickeln. Immer öfter haben wir es bei Infektionen mit so genannten multiresistenten Keimen zu tun, dass heißt in der Regel, das dem Fisch nicht mehr zu helfen ist.

Aus diesem Grund sollte eine Antibiotikagabe nur vom Tierarzt nach Erstellung eines Antibiogramms vorgenommen werden.
 
Optimalerweise wird vor der Behandlung eine Tupferprobe aus der Wunde genommen und im Labor der Erreger bestimmt und dann ein Antibiogramm erstellt.

Leider werden hier recht häufig die falschen Keime identifiziert, was an einer falschen Probennahme liegen kann. Oft sind die tatsächlichen Verursacher der Erkrankung tief im Gewebe verborgen und werden von anderen Bakterien überwuchert. Diese werden dann im Antibiogramm getestet, sind sensibel für ein bestimmtes Antibiotikum und man führt die Behandlung durch, ohne dass etwas passiert. Dies liegt dann daran, dass der wirkliche Krankheitserreger resistent gegen das Antibiotikum ist aber nicht erkannt wurde. So sollte auch die Tupferprobe von einem erfahrenen Tierarzt entnommen werden.

Erst dann sollte mit der Antibiotikagabe begonnen werden.

Dies kann auf verschiedene Arten erfolgen.

1.     Badebehandlung:

Die Badebehandlung hat den Vorteil, dass Sie sehr einfach durchzuführen ist. Ihre Nachteile sind aber, dass a.) sehr große Mengen Antibiotika benötigt werden und b.) die Wirkung des Antibiotikums durch Verunreinigungen oder andere Bakterien im Wasser beeinträchtigt werden kann.

2.     Verabreichung über das Futter:

Hierbei wird das Futter mit dem Antibiotikum getränkt. Nach einer ausreichenden Trocknungszeit wird es dann an die Fische verfüttert. Die Nachteile sind: Die Verabreichung funktioniert nur, wenn die Fische noch fressen, man muss sicher stellen, das genug Antibiotika aufgenommen wird (Dosis für den einzelnen Fisch nur sehr schwer einhaltbar) und zu guter letzt wird das Antibiotikum im Wasser wieder aus dem Futter gelöst. Was wiederum dazu führt, dass die Fische nicht genügend Wirkstoff aufnehmen.

3.     Injektionen:

Dies ist sicher die genaueste Methode. Der Wirkstoff wird direkt im Fisch in den Muskel injiziert, von wo aus er ins Blut diffundiert und im Körper verteilt wird.

Der Nachteil hier ist, dass es für den Laien nicht einfach ist einen Fisch richtig zu spritzen (manchmal übrigens auch für den Fachmann). Oft kann die Injektion nur unter Betäubung gegeben werden. Auch hier sollte nicht eigenmächtig gehandelt werden sondern immer ein Fachmann zu Rate gezogen werden.

Im Falle einer nur leichten Infektion kann der Einsatz von ProBiotika die Gabe von Antibiotika ersetzen. Hier werden die Erreger auf natürliche Weiße bekämpft, ohne Nebenwirkung für die Fische. Diese Behandlung kann auch vom Laien durchgeführt werden und sollte immer als erstes versucht werden. Erzielt man hiermit keinen Erfolg kann man immer noch zu Antibiotika greifen.