| Bakterielle Erkrankungen Feb. 2008 |
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| Geschrieben von: Schubert Christoph Dr. |
| Montag, 04. Februar 2008 um 21:14 Uhr |
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Das nach Parasitenbefall sicherlich häufigste Problem, mit dem der Koihalter sich auseinandersetzen muss, sind bakterielle Infektionen. Sie stellen Halter wie auch Tierarzt hinsichtlich Diagnose und Behandlung vor ernst zu nehmende Aufgaben. Ich möchte hier versuchen, die Problematik hinsichtlich bakterieller Erkrankungen auch für den Laien verständlich darzulegen. Zuerst sollten die verschiedenen Bakterien klassifiziert werden. Sehr grob kann man sagen, es gibt saprophytische (gutartige) und pathogene (krankmachende) Bakterien, die sowohl im Wasser als auch am Fisch zu finden sind. Saprophytisch (gutartig) bedeutet, diese Bakterien stellen für den Fisch keine Gefahr dar. Im Gegenteil sind sie meist sogar nützlich für den Fisch. So ist z. B. die Schleimhaut des Fisches sehr dicht mit abermillionen von gutartigen Bakterien besiedelt, die ein anheften und die Vermehrung schadhafter Bakterien verhindern. Auch Die Verdauung des Fisches läuft teilweise mit bakterieller Hilfe ab. Allerdings gibt es unter den gutartigen Bakterien einige, die unter bestimmten Umständen eine Erkrankung hervorrufen können. Diese werden dann fakultativ pathogen (bedingt krankmachend) genannt. Hierzu gehört z. B. Aeromonas hydrophila, ein normaler Bewohner der Fischhaut der, wenn er in Hautwunden eindringt, zu schweren Wundinfektionen führen kann. Weitere Umstände, die dazu führen das Aeromonas hydrophila zu Erkrankungen führt, sind schlechte Umweltbedingungen im Teich oder ein schwaches Immunsystem. Die meisten so genannten Sekundärinfektionen (d.h. die Bakterien siedeln in Wunden die z. B. durch Parasiten oder Scheuern verursacht werden) werden von diesen Keimen verursacht. Pathogen (krankmachend) bedeutet, dass diese Bakterien, wenn sie am Fisch siedeln, immer zu einer Erkrankung führen. Hierzu gehört unter anderem Flexibacter columnaris der Erreger der Flossen und Kiemenfäule oder auch die Fischtuberkolose. Diese Vielzahl an verschiedenen Bakterien macht eine korrekte Behandlung von bakteriellen Erkrankungen zu einer echten Herausforderung. Die größte Schwierigkeit hierbei ist es den Erreger zu identifizieren. So findet man auf einer Großzahl von Wundabstrichen verschiedene Aeromonaden. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie auch der Auslöser für die Wundinfektion sind. Vielmehr handelt es sich oft nur um einen Überwuchs. Der tatsächliche Erreger ist dann meist nur schwer oder gar nicht auszumachen. Auch ist die Erstellung von Antibiogrammen ein absolutes Muss vor einer antibiotischen Behandlung. Die Resistenz mancher Bakterien gegenüber den handelsüblichen Antibiotika ist oft verheerend, nicht zuletzt auf Grund des häufig falschen und übrigens auch nicht erlaubten Antibiotikaeinsatzes durch so genannte Fachleute. Erst wenn sowohl der Keim identifiziert als auch ein Antibiogramm erstellt worden sind, sollte mit einer gezielten Behandlung begonnen werden. Hier möchte ich anhand eines Beispieles die Funktionsmechanismen bei einer bakteriellen Infektion erläutern: Nehmen wir einen Koi mit einem mittelgradigen Befall mit Hauthakenwürmern (Gyrodactylus). Diese Würmer verursachen mit ihrem Hakenapparat kleine Wunden in der Schleimhaut und Juckreiz. Der Fisch beginnt, sich an Gegenständen im Teich oder dem Teichboden zu scheuern. Dieses andauernde Scheuern führt zu einem Verlust der Schleimhaut und somit einem wichtigen Schutzfaktor gegen Bakterielle Infektionen. Die Schleimhaut des Fisches ist, wie oben schon beschrieben, sehr dicht mit saprophytischen Bakterien bewachsen. Diese verhindern ein Ansiedeln pathogener Bakterien, indem sie ihnen die Nahrung streitig machen und Stoffe aussondern welche von ihnen nicht vertragen werden. Des weiteren finden sich in der Schleimhaut des Fisches Antikörper, die evtl. schädliche Bakterien aufspüren und neutralisieren. Fehlt diese immens wichtige Barriere, haben pathogene Bakterien ein leichtes Spiel. Sie haften sich an den Wunden an und beginnen mit der Vermehrung. Schaden fügen Sie dem Fisch zu, indem sie sich entweder direkt von seinem Gewebe ernähren, oder Stoffe ausscheiden die den Fisch schwächen. In extremen Fällen können diese Bakterien in die Blutbahn gelangen und eine so genannte Septikämie (Blutvergiftung) hervorrufen. Solchen Fischen kann dann kaum noch geholfen werden, die Bakterien verbreiten sich im ganzen Körper und befallen die Organe. Das Immunsystem ist je nach Temperatur sehr schnell überfordert und kann die Bakterien nicht mehr bekämpfen. Ein Organversagen und der Tod des Fisches sind die Folgen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten diesen Gefahren entgegen zu wirken. Hier gilt: die beste Behandlung ist die Vermeidung. Das heißt, durch eine optimale Haltung lassen sich sehr viele Probleme von vorne herein Vermeiden. Viele werden jetzt sagen: Das ist ja klar, aber was ist die optimale Haltung? Man sollte hier immer das gesamte System, zudem auch der Koi selbst gehört betrachten. · Optimale Wasserbedingungen, welche auch regelmäßig kontrolliert werden. Von besonderer Bedeutung sind hier Nitrit/ Nitratwerte sowie der Sauerstoffgehalt des Wassers. Die Temperatur hat ebenfalls einen großen Einfluss auf die Widerstandskraft der Fische. Auch der so genannte Keimdruck spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Mit Keimdruck bezeichnet man in der Regel die Anzahl der Bakterien im Teich. Gemessen wird dies in CFU/ml (Colony Forming Units; deutsch: Koloniebildende Einheiten). Die Einheit CFU basiert auf der Annahme, dass aus jeder Bakterie im Teich, wenn man sie auf einem Nährboden züchtet eine Bakterienkolonie entsteht. So kann die Keimbelastung des Wassers gemessen werden. Ein hoher Keimdruck kann dazu führen, dass das Immunsystem der Fische überlastet wird. Die Folge sind Krankheitsausbrüche die in sauberem Wasser nicht stattfinden würden. Eine gute Möglichkeit, den Keimdruck zu senken ist eine leistungsstarke UV-Lampe welche vor dem Filterauslauf platziert werden sollte. Ist dies nicht ausreichend, kann zusätzlich mit Mitteln behandelt werden, die das Teichwasser desinfizieren. Ein Beispiel hierfür wäre Kaliumpermanganat. · Der Koi selbst: Ein kräftiger, gesunder Fisch wird weitaus seltener an Bakteriellen Infektionen leiden als ein alter oder schwacher. Ihre Koi sollten regelmäßigen parasitologischen Untersuchungen unterzogen werden. Ein das Immunsystem stärkendes Mittel (wie z.B. in ProKoi Immun enthalten) sollte den Fischen vor zu erwartenden Stresssituationen (z.B. Wintervorbereitung) über mindestens 4 Wochen gefüttert werden. Beim Zukauf neuer Fische sollte eine gründliche und ausreichend lange (6 Wochen) Quarantäne durchgeführt werden. Während dieser Zeit sollten die Fische mehrmals auf Parasiten untersucht werden. Bei unklaren Erkrankungsbildern sollte in jedem Fall ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. Eine Behandlung sollte nur nach genauer Diagnose erfolgen. Wird eine bakterielle Erkrankung festgestellt, sollte eine Behandlung nur nach Anfertigen eines Antibiogrammes erfolgen. |
| Zuletzt aktualisiert am Montag, 04. Februar 2008 um 21:22 Uhr |





